Page 26 - DRW Gemeinsam - 10/2021
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           Gesucht: Baumeister des
           sozialen Miteinanders


           Wie Verantwortliche des Dominikus-Ringeisen-
           Werks im Landkreis Neu-Ulm ihren Beitrag für
           Menschen mit Handicap leisten wollen und warum

           sie in einer besonderen Pioniersituation sind
           Wer gerade ein größeres Bauvorhaben durchführt, benö-
           tigt Geduld. Handwerker sind kurzfristig kaum zu bekom-
           men. Die Fertigstellung verzögert sich. Reinhard Gugenber-
           ger, Leiter der Region Günzburg-Neu-Ulm des Dominikus-  Freuen sich auf neue Mitarbeitende (v.l.n.r.): Der Leiter
           Ringeisen-Werks (DRW), sieht den Fortgang der großen   des stationären Wohnens Norbert Baur, Marie Herfurtner,
           Baustelle in der Falkenstraße in Vöhringen trotzdem posi-  Leiterin des ABW im Landkreis Neu-Ulm sowie Reinhard
           tiv, obwohl auch er den Fertigstellungstermin bereits nach   Gugenberger, verantwortlich für die DRWRegion
           hinten schieben musste. Im kommenden Frühjahr, so plant  Günzburg/Neu-Ulm
           er, sollen hier acht Bewohner mit Handicap einziehen. Bis   enentlastenden Dienst. Kaiser berichtet von der anziehen-
           dahin ist jedoch noch mehr zu erledigen als der Innenaus-  den Nachfrage im Landkreis Neu-Ulm. „Die Pandemie hat
           bau des Gebäudes, dessen Namen schon feststeht: Die    diese Entwicklung nicht entspannt, ganz im Gegenteil“, sagt
           Einrichtung wird „Renate“ heißen – nach Renate Ernst, die   er. „Oft sind die ABW-Mitarbeiter die einzigen sozialen
           sich an der Spitze einer der Elterninitiative sehr für den   Kontakte, die unseren Klienten geblieben sind.“ Die stei-
           Neubau stark gemacht hat.
                                                                  gende Zahl von Menschen, die u. a. aufgrund von famili-
           Mit dem Neubau in Vöhringen wird das DRW im Landkreis   ären und sozialen Erschwernissen Hilfe brauchen, bringe
           Neu-Ulm die zweite Wohneinrichtung neben dem Johan-    noch eine andere Herausforderung mit sich, so Kaiser: „Die
           nes-Paul-Haus in Illertissen eröffnen. Dort leben bereits   massive Wohnraumproblematik auch im Landkreis Neu-
           seit zehn Jahren 23 Menschen mit Behinderung. Das neue   Ulm zeigt sich deutlich verschärfter für Menschen mit
           Haus „Renate“ in Vöhringen ist unterteilt in 24 stationäre   Handicap. Sie haben nicht selten Einkommenseinbußen
           Plätze für Menschen mit einer geistigen Behinderung und   oder leben von der Grundsicherung. Damit haben sie noch
           neun für solche, die in eigenen Appartements wohnen und  größere Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden.“ Die
           ambulant unterstützt werden. Reinhard Gugenberger weiß   Maxime der Kostenträger „ambulant vor stationär“ in der
           um die große Vorfreude bei den künftigen Bewohnerinnen   Eingliederungshilfe befördere diese Entwicklung. Das DRW
           und Bewohnern und deren Familien. In Vöhringen hat ein   habe es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, Wohnraum
           Elternverein lange gekämpft, bis sich ein Träger fand, der   gerade für diese Zielgruppe zu schaffen.
           eine neue Einrichtung im Landkreis Neu-Ulm errichtete.
           Denn für viele Eltern, die ihre behinderten Kinder zuhause   Sozialraumnahes Wohnen
           pflegen, erzählt Gugenberger, stelle sich früher oder später  Zwar vertreten Gugenberger und Kaiser zwei unterschiedli-
           die Frage: Was tun, wenn unsere Kräfte nicht mehr ausrei-  che soziale Dienstleistungsangebote innerhalb des DRW.
           chen? „Mit unserem Angeboten zeigen wir, dass wir da sind  Gemeinsam teilen sie allerdings eine Vision für den Land-
           für diese Familien“, sagt er.                          kreis Neu-Ulm: Das Netz an sozialen Hilfen des DRW eng-
                                                                  maschiger zu gestalten. Dafür arbeiten sie fachlich eng
           Oft der einzige soziale Kontakt
                                                                  zusammen, wie das Beispiel Vöhringen zeigt: Menschen,
           Da  sein für Menschen mit Hilfebedarf will auch Kevin Kai-  die mehr Hilfe benötigen, leben zusammen mit Bewoh-
           ser. Er ist verantwortlich für die Ambulanten und Offenen   nern mit größerer Selbstständigkeit unter einem Dach. Je
           Hilfen des DRW. Hier bekommen Menschen mit Behinde-    nach persönlicher Entwicklung und Kapazität des Trägers
           rung oder psychischen Erkrankungen individuelle Unter-  könnten Bewohner von der einen in die andere Wohnform
           stützung im häuslichen Umfeld. Aktuell begleitet das Team  wechseln. Diese „Durchlässigkeit“ ist Gugenberger und
           45 Personen im südlichen Landkreis. Die Offenen Hilfen   Kaiser wichtig. Sozialraumnahe Wohnprojekte wie in Vöh-
           beraten zu behindertenspezifischen Themen, bieten Frei-  ringen mit stationärer und ambulanter Betreuung können
           zeit- und Bildungsangebote und organisieren einen famili-  sie sich deshalb auch in weiteren Gemeinden des Land-




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